nekrolog
nekrolog

Ein Werk sucht seinen Autor:

Das ist das Umschlagbild aus

 http://shop2.kohlhammer.de/kohlhammer/pdf/978-3-17-021666-2.pdf

Dieses Buch erschien mit der folgenden Titelei:


Wo ist der Editor?

Man findet ihn hier angekündigt:

Historische Bibliographie Online

Historische Bibliographie und Jahrbuch der historischen Forschung

allerdings mit etwas differenzierterem Titel:

1-6-3

Braun, Johann W.

Das älteste Totenbuch des Klosters St. Blasien im Schwarzwald (vor 1126 bis um 1262) im Fragment Codex Vindobonae Palatinae 9 fol. I-III und im Grundstock des Ochsenhausener Nekrologs von 1494 in der Handschrift Kynzvart (Königswart) 48 (20.E.33). Edition (einschließlich des Nekrologs von Ochsenhausen bis 1672).

Einführung. Kommentar. Register.

Darüber was geschah, schrieb ich in „Archivalia“.

Erschlichener Lorbeer

Die raffinierte Formulierung des Titelblatts kreiert eine Autorschaft (so explizit bei amazon.de und de facto bei allen bibliothekarischen Titelaufnahmen – man kennt sich bei „KgL“ bestens aus in solchen Formalien), und nur wer genau hinschaut, wird bemerken, dass die Edition gar keinen Editor hat. Sein Name wurde unterschlagen, ein Urheberrechtsprozess vor dem Stuttgarter Landgericht ist daher anhängig.

Gleichgültig wie dieser Prozess ausgehen wird, das Folgende sind die Fakten.

Während der Bearbeitung des Urkundenbuchs des Klosters St. Blasien im Schwarzwald entdeckte ich, dass der Grundbestand des Ochsenhausener Nekrologs auf das alte Nekrolog des Mutterklosters St. Blasien zurückgehen muss, von dem nur ein sehr schlecht erhaltenes Fragment überliefert und mehrfach ediert worden ist (vgl. UB St. Blasien I S. 6f. Nr. 4 und 5). Diesen Grundbestand habe ich bereits für das Urkundenbuch ausgewertet (vgl. UB St. Blasien II Register S. 283 Sp. 2). Nach Abschluss der Arbeit am UB St. Blasien 2003 schlug ich für den Rest meiner Dienstzeit der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg vor, das gesamte Ochsenhausener Nekrolog parallel mit dem alten sanktblasischen Nekrologfragment cvp 9, das ich in der Nationalbibliothek Wien nochmals und mit den modernen Hilfsmitteln untersuchen und in bester Qualität digitalisieren lassen konnte, kritisch zu edieren. Die Kommission beauftragte mich damit. Bei meiner Pensionierung im Januar 2005 hatte ich den Editionstext des Ochsenhausener Nekrologs fertiggestellt und von der pagina-GmbH Tübingen setzen lassen. Es ist dieser Satz, also der Hauptteil der Publikation, der als Quellentext und Apparate bis in alle Einzelheiten den jetzigen „autorenlosen“ Editionstext bildet, abgesehen von einigen Verballhornungen in den Apparaten, wie z. B. jede Fussnote mit Großschreibung zu beginnen. Aufgrund eines Zerwürfnisses mit dem damaligen Kommissionsvorsitzenden musste ich meine Arbeit an der Edition, die ich als Pensionär beenden wollte, einstellen. Noch nicht fertig waren also der umfangmäßig zwar kleine, aber sehr komplizierte Parallelteil der Edition des Nekrolog-Fragments, sowie das Beiwerk: Einleitung, Verzeichnisse, Register. Für all dieses verblieben bei der Kommission meine sämtlichen Arbeitsdateien, deren sich der jetzige Pseudoautor bedient hat.

Ohne zuvor im Geringsten über die Wiederaufnahme des Editionsprojekts seitens der Kommission informiert worden zu sein, übersandte mir im Januar 2010 der jetzige Kommissionsvorsitzende das Typoskript einer „fertigen“ Edition, mit dem Ansinnen, dass der Pseudoautor sogar noch vor mir als Erstautor genannt sein sollte. Zudem war das wissenschaftlich eigentlich interessante und wichtige ursprüngliche Konzept, nämlich das alte sanktblasische Nekrologfragment parallel mitzuedieren, ganz unter den Tisch gefallen – da die Edition des Fragments noch nicht satzfertig vorlag, konnte sie eben auch nicht per Mausklick übernommen werden. Ich habe das Editionsvorhaben der Kommission in dieser Form abgelehnt, jedoch die Wiederaufnahme des Editionsprojekts als solches, war es doch mein eigenes, begrüßt und meine Mitarbeit angeboten. Die Kommission ging darauf nicht ein, sondern hat mit der Unterstellung, ich hätte meinen Namen nicht genannt haben wollen, das Buch in der vorliegenden Form veröffentlicht. Kurioserweise schickte sie mir, dem gar nicht vorhandenen Autor, dennoch 5 Belegexemplare.

Ich werde das Machwerk natürlich eingehend rezensieren.

Dr. Johann Wilhelm Braun, http://historia-docet.de/

Die Kommentare dazu in „Archivalia“:

 

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