archivalia-kommentare
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Ein starkes Stück zum Thema Plagiat ...

http://archiv.twoday.net/stories/11583859/

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Die ganze Edition scheint ein ziemlicher Krimi zu sein ...

http://mannigfaltigkeiten.twoday.net/stories/11565374/

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Auch der erste Rezensent ahnt etwas:

... die umfassenden Vorarbeiten eine[s] jedenfalls nicht an hervorgehobener Stelle erkennbaren Bearbeiters zu seiner Edition führten aber zunächst nicht zur Veröffentlichung. Auf ihrer Grundlage gelang seit 2009 jedoch Boris Bigott ein erfolgreicher Abschluss ... Die Rezension wurde inzwischen mit dem Hinweis auf die Urheberrechtsverletzung ergänzt.

http://www.koeblergerhard.de/ZRG128Internetrezensionen2011/DasNekrologdesKlostersOchsenhausenvon1494.htm

Januar 2011

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Am 11. Februar 2011 gab ich diesen Hinweis auf den Prozess:

 

Prozessbeitrag der "Archivalia"

Inzwischen hat die wegen Urheberrechtsverletzung von mir verklagte Kommission sogar meinen Blogbeitrag "Erschlichener Lorbeer" in ihre juristische Argumentation aufnehmen lassen.

Die Kommission ist - wörtlich zitiert aus dem Schriftsatz ihres Rechtsanwalts vom 8. Februar 2011 - der "Rechtsansicht, dass der lediglich abgeschriebene Editionsteil mit seinen Apparaten keine geistige Schöpfung des Klägers darstellt und die Apparate als wissenschaftliches Ergebnis frei von Urheber- oder Leistungsschutzrechten mit dem Ergebnis sind, dass dem Kläger keine Nennungsrechte zustehen". Aber offenbar sehr wohl dem angemaßten Beiwerks-"Verfasser", denn den hat die Kommission ja auf das Titelblatt gesetzt! Und warum überhaupt publiziert sie solche "geistlosen" Werke?

Die Sache wird immer interessanter.

Wen es interessiert: Die Verhandlung ist angesetzt im Landgericht Stuttgart auf den Dienstag, 15. Februar 2011, 9 Uhr, 1. Stock, Saal 155, Urbanstrasse 20 (im Gerichtsgebäude).
Über möglichst viele Besucher würde ich mich freuen.

JWBraun

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Dazu schrieb noch am 11. Februar Klaus Graf:

Danke für den Hinweis

Ich werd leider nicht kommen können.

Die Kommission hat auf Anfrage auf eine Stellungnahme verzichtet.

Ich hoffe, Sie haben einen guten Urheberrechtsanwalt. Folgt eine Edition dem Codex unicus, ohne dass weitere Handschriften herangezogen werden, verneine ich ein Leistungsschutzrecht des Editors nach § 70 UrhG. Durch die Existenz der Wiener Handschrift könnte man aber die Erstellung des Textes als Ergebnis der wissenschaftlichen Sichtung der Überlieferung sehen. Eine herausragende Qualität muss nicht gegeben sein, was ich im Interesse der Wissenschaftsfreiheit bedaure (s. mein Buch "Urheberrechtsfibel"). Der Variantenapparat ist abgesehen von dem Leistungsschutzrecht meines Erachtens nicht geschützt, während ein umfangreicherer Sachkommentar üblicherweise als Werk nach § 2 UrhG geschützt ist. Wenn ein Schutz schon bei einem MGH-Register bejaht wurde, sollte man auch einen solchen Sachkommentar als geschützt ansehen.

Diese Stellungnahme bezieht sich nicht auf das konkrete Verfahren und mögliche arbeitsrechtliche Implikationen.

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Zum Verfahrensausgang hat die Kommission noch am Prozesstag auf ihrer Homepage eine Erklärung abgegeben:

Zur Edition"Das Nekrolog des Klosters Ochsenhausen von 1494"
und zum Verfahren vor dem Landgericht Stuttgart

Aufmerksamen Lesern ist nicht verborgen geblieben, dass sich in diesem Buch kein Hinweis darauf findet, wer die Edition des Ochsenhausener Nekrologs eigentlich bearbeitet hat. Die Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg sah sich gegen ihren erklärten Willen durch schriftliche und - ihrer Auffassung nach - verbindliche Untersagungen daran gehindert, den Bearbeiter namentlich kenntlich zu machen. Die im Vorfeld der Drucklegung seit Januar 2010 unternommenen Bemühungen der Kommission, das Einverständnis des Bearbeiters mit der Nennung seines Namens auf dem Titelblatt zu erhalten, blieben erfolglos. Der Band ist darum ohne den entsprechenden Hinweis im Spätsommer letzten Jahres erschienen. Hiergegen hat der Bearbeiter Klage beim Landgericht Stuttgart eingereicht.
In der Verhandlung vor der 17. Zivilkammer des Landgerichts Stuttgart am 15. Februar 2011 hat Herr Konservator a.D. Dr. Johann Wilhelm Braun unter Übernahme aller Verfahrenskosten seine Klage gegen die Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg zurückgezogen. Die Kommission für geschichtliche Landeskunde stellt darum hiermit klar, dass die eigentliche Edition des oben genannten Nekrologs von ihrem früheren Mitarbeiter Dr. Johann Wilhelm Braun erstellt wurde. Sie wird sich um eine Berichtigung des Titels bemühen, dergestalt, dass der Band künftig unter folgendem Titel zitiert wird:

Das Nekrolog des Klosters Ochsenhausen von 1494

Edition: Johann Wilhelm Braun

Eingeleitet, mit Registern versehen und redigiert von Boris Bigott

(= Veröffentlichungen der Kommission für geschichtliche Landeskunde
in Baden-Württemberg Reihe A: Quellen, 53. Band)
Stuttgart: W. Kohlhammer 2010.

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Ich habe dazu am 18. Februar Stellung genommen:

Weiße Weste

Manchen scheint es nicht nur ihre zweite sondern erste Natur, sich, gleich wie die Sachverhalte sind, ins ehrenwerte Licht zu setzen. Obwohl das Gericht meine alleinige Autorschaft am Editionstext samt seinen Apparaten bestätigt und die Kommission zu entsprechenden Aufklebern auf die Titelblätter der gedruckten Exemplare, sowie zur Klarstellung in den beiden von ihr herausgegebenen landesgeschichtlichen Zeitschriften „Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins (ZGO)“ und „Zeitschrift für württembergische Landesgeschichte (ZWLG)“ – um die obige „Erklärung der Kommission“ ein wenig zu präzisieren – verpflichtet hat, hält sie die Fiktion aufrecht, ich selber hätte meinen Namen nicht genannt haben wollen. Wäre dem so gewesen, wozu hätte ich Klage erheben sollen? Ich hatte der Kommission nicht die Nennung meines Namens verweigert sondern mich dagegen verwahrt, neben Herrn Bigott, der keinen Anteil am Editionstext und seinen Apparaten hat, als bloßer Co-Autor (an zweiter Stelle!) genannt zu werden. Was die das Beiwerk betreffende Zusatzformulierung auf dem Titelblatt angeht, war in diesem Prozess nicht die Feststellung zu erwirken, dass Herr Bigott, der im Buch als Urheber der Einführung und der Register figuriert, darin meine Forschungsergebnisse zur Quelle bzw. den Quellen (Urhandschrift cvp 9 und verlorene Zwischenüberlieferung), zu den Schreibern und zu Anlage und Aufbau des Codex’ sowie meine Gestaltung der Abkürzungen und mein Quellen- und Literaturverzeichnis weitgehend übernommen hat. Dies betrifft einen anderen Prozessgegenstand, nämlich Plagiat, und einen anderen Prozessgegner, nämlich eine Person und nicht – wie bisher – eine Institution. Das Prozessergebnis gegen letztere und meine angekündigte Rezension, die sich auch mit dem Beiwerk bis in alle Einzelheiten auseinandersetzen wird, könnte mir vielleicht einen weiteren, lästigen Plagiatsprozess ersparen. Klarzustellen ist, dass ich an dem Teil der Einführung „Zur Geschichte des Klosters Ochsenhausen“, der aus der reichlich dazu vorhandenen Literatur zusammengeschrieben ist und davon abgesehen in der historischen Disziplin „Edition“ nichts zu suchen hat (ich habe in meinem „Urkundenbuch des Klosters St. Blasien“ auf derlei verzichtet und das auch begründet in meiner „Recensio Recensionum“ von 2008: http://historia-docet.de/html/recens__recensionum.html ) nicht den geringsten Anteil habe, desgleichen nicht an den verunglückten Registern, für die ich allerdings bereits, leider nicht beachtete, Regeln formuliert hatte.

 

Summa summarum

In der neuen „Wissenschaftler“-Generation scheint der freizügige Umgang mit geistigem Eigentum auf höchster Ebene – siehe die Dissertation „summa cum laude“ des Verteidigungsministers – nach dem demokratischen Zeiten angepassten Sprichwort „Quod licet Jovi, et licet bovi“ Vorbildcharakter zu gewinnen, und dies sogar in Institutionen, die sich der Wissenschaft selber verpflichten.

Bezeichnend ist in der „Erklärung der Kommission“ die hämische Bemerkung zu den Prozesskosten: Die Herrschaften der Gegenseite riskieren finanziell nichts, von ihnen verursachte Kosten trägt in jedem Fall der Steuerzahler. Hätten sie für ihre Entscheidungen persönlich haftbar gemacht werden können – der Streit wäre erst gar nicht entstanden.

JWBraun

 

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